Village Bizarre
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Village Bizarre

Very good, very good – yeeaaah!

Die Night Markets sind ein fester Bestandteil der Rocks in Sydney. Doch dieses Mal ist etwas anders als sonst: Im Rahmen des “Village Bizarre” kann man ungewöhnliches und außergewöhnliches erleben.

Der Info-Flyer verspricht Menschen in phantasievollen Kostümen, Menschen, die in den Straßen tanzen, Literatur und einige Überraschungen. Klingt gut, dachten sich mein Bekannter Jack und ich und so beschlossen wir, uns das bunte Treiben mal genauer anzuschauen.

Im ersten Moment war alles normal. Eine Reihe von Essensständen, von denen ein appetitlicher Geruch herüber wehte und die üblichen Händler, die Kleidung und allerlei Krimskrams verkaufen. Als wir ein Stück weiter in die Kopfsteinpflaster-Gassen vordrangen, sprang uns endlich das erste kostümierte Etwas in den Weg. Mit den quietschgelben Highheels, den geringelten Socken, der übergroßen Brille und der pinken Perücke schien die junge Frau direkt von einer Bad-Taste Party zu kommen. Sie wurde dem Wort „bizarr“ in allen Belangen gerecht.

Wir setzten unseren Weg fort, spielten eine Runde Tischtennis mitten auf der Straße, beobachteten einen Tanz-Workshop, der in einer Sackgasse stattfand und amüsierten uns ein bisschen über die „Silent Disco“, wo man Kopfhörer bekam und zu der Musik tanzte, die nur man nur selbst hören konnte.

Schließlich schlenderten Jack und ich zurück zu unserem Ausgangspunkt an der George Street. Hm, sooo überragend war das jetzt noch nicht. Wahrscheinlich waren wir einfach zu früh. Schließlich heißt es offiziell „Markets by Moonlight“ und nicht „Es wird bald dunkel Markets“.

Als wir gerade überlegten, was wir mit dem restlichen Abend anfangen könnten, lenkte ein Mann im weißen Anzug unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er stand auf einem Podest und versuchte die vorbeigehenden Menschen hinter einen samtroten Vorhang zu locken, der in einer Art Durchgang zwischen den alten Häusern hing. Natürlich ließen wir uns nicht zwei Mal bitten und beschlossen das kleine Abenteuer zu wagen.

Hinter dem Vorhang gab es nicht viel zu sehen. Nur einen weiteren roten Vorhang am Ende des Durchgangs, Teppiche und Scheinwerfer auf dem Boden und noch etwa zehn weitere neugierige Marktbesucher. Wir wurden nicht lange im Ungewissen gelassen, denn eine sympathische Frau mit Lockenmähne stellte sich als Yoga-Lehrerin vor und erklärte uns, dass wir in einem 15-minüten Lach-Yoga-Workshop gestolpert waren.

Die folgende Viertelstunde verbrachten wir mit allerlei lustigen Übungen. Wir mussten uns über die Steuererklärung der anderen kaputt lachen, Rasenmäher durch den Raum fahren, uns vorstellen wir seien die Queen und kichernd ein Tässchen Tee trinken und uns gegenseitig bestätigen, dass wir fantastisch seien. Zwischen den Übungen klatschen wir immer in die Hände, sagten „Very good, very good“ und reckten mit einem „Yeeaaaah!“ beide Daumen in die Höhe. Alles in allem war es 15-Minuten Dauerlachen aufgrund der Absurdität – und man mag es kaum glauben: es war richtig, richtig anstrengend.

Als wir wieder hinter dem Vorhang hervor kamen, wurden wir erst einmal interessiert beäugt. Die Menschen auf der Straße müssen entweder gedacht haben, wir hätten die Zeit unseres Lebens gehabt oder wären alle geisteskrank.

Zum Abschluss des Abends suchten wir noch das Zelt der Kuriositäten auf, das in einem Hinterhof versteckt war. Eine Art Fee mit riesiger Fliegenbrille und einem etwa 1m-hohen Hut stand vor dem Zelt und unterhielt die Wartenden, während ihr zotteliger Gefährte für Fotos herhalten musste. Als wird endlich an der Reihe waren, führte uns die Fee in das Zelt, wo uns würziger Räucherstäbchen-Duft entgegenschlug. Auf einem Tisch lag ein toter, aufgeschlitzter Fisch, in dem hunderte spitzer Nadeln steckten. Aus ihm las die ernst drein blickende, schwarzhaarige Frau die Antworten auf die Fragen, die die Besucher auf dem Herzen hatten. Ein bisschen eklig, aber seine Wirkung hat es definitiv nicht verfehlt.

Alles in allem war es ein kurzweiliger Abend und falls jemand in nächster Zeit an einem Freitagabend in Sydney ist, sollte er auf jeden Fall mal beim „Village Bizarre“ vorbeischauen.